Ratgeber · 5. November 2026
Automatenkiosk am Sonntag: was in deinem Bundesland gilt
Sonntagabend, die Chips sind alle, und zwei Straßen weiter steht ein Automatenkiosk mit „24/7" an der Scheibe. Hat der jetzt offen? Vor zwei Jahren war die ehrliche Antwort: Das weiß gerade niemand so genau. Städte haben Automatenläden sonntags zugesperrt, Betreiber haben geklagt, Gerichte haben unterschiedlich entschieden. Inzwischen haben vier Bundesländer den Streit gelöst, jedes auf seine Art. Welche Regel für dich gilt, hängt davon ab, wo du wohnst, und in Bayern sogar davon, in welcher Stadt.

- 23Automatenkioske auf unserer Karte
- 150 m²so groß darf ein Laden ohne Personal in Bayern und Baden-Württemberg sein, in Hessen 120
- 8 Stundenam Stück muss er sonntags mindestens öffnen dürfen, wenn die Stadt in Bayern oder Baden-Württemberg begrenzt
Worum der Streit ging
Der Ladenschluss ist seit der Föderalismusreform 2006 Sache der Länder, und jedes Land schützt den Sonntag. Ein einzelner Automat an der Hauswand war davon nie betroffen: Warenautomaten sind seit 1962 vom Ladenschluss ausgenommen. Dann kamen die Automatenkioske, ehemalige Läden, in denen 10, 15 oder 20 Automaten stehen und kein Mensch. Und die digitalen Mini-Supermärkte, in denen Regale stehen wie im Laden, man aber mit der Karte hineinkommt und an einem Terminal selbst bezahlt.
Die Frage war: Ist so ein Raum ein Laden, der sonntags zu sein muss, oder nur viele Automaten nebeneinander? Die Städte sagten oft Laden. Die Betreiber sagten Automat. Weil das kein Gesetz eindeutig beantwortete, haben es Gerichte und Landtage getan.
Vier Länder, vier Antworten
- Nordrhein-Westfalen
- Geklärt durch
- Oberverwaltungsgericht, Februar 2025
- Sonntags
- offen, auch nachts
- Grenze
- keine Fläche: Automaten ohne Personal fallen gar nicht unter das Ladenöffnungsgesetz
- Haken
- Eilentscheidung, ein Gesetz dazu fehlt noch
- Hessen
- Geklärt durch
- Änderung des Ladenöffnungsgesetzes, Juli 2024
- Sonntags
- offen, 0 bis 24 Uhr
- Grenze
- bis 120 Quadratmeter, vollautomatisch, Waren des täglichen Bedarfs
- Haken
- vorher mussten die Läden sonntags zu, so hatte es der Verwaltungsgerichtshof 2023 entschieden
- Bayern
- Geklärt durch
- neues Ladenschlussgesetz, August 2025
- Sonntags
- grundsätzlich offen, ohne Personal
- Grenze
- bis 150 Quadratmeter
- Haken
- die Stadt darf sonntags begrenzen, mindestens 8 Stunden am Stück bleiben
Regensburg erlaubt sonn- und feiertags 8 bis 16 Uhr, Nürnberg schließt die Läden in der Altstadt sonntags von 20 bis 6 Uhr.
- Baden-Württemberg
- Geklärt durch
- Landtagsbeschluss, Februar 2026
- Sonntags
- offen, ohne Personal
- Grenze
- bis 150 Quadratmeter, Waren des täglichen Bedarfs
- Haken
- zu an Karfreitag, Ostersonntag, Pfingstsonntag und am 1. Weihnachtstag; die Behörde darf auf mindestens 8 Stunden begrenzen
Nordrhein-Westfalen: Automaten bleiben Automaten
In Bonn betrieb jemand einen Automatenkiosk mit 15 Automaten, jeder mit 40 bis 50 Artikeln, rund um die Uhr geöffnet, sonntags ohne Personal. Die Stadt verbot die Sonntagsöffnung, das Verwaltungsgericht Köln gab ihr zunächst recht. Das Oberverwaltungsgericht in Münster sah es im Februar 2025 anders: Automaten, die außerhalb der Ladenöffnungszeiten ohne Personal laufen, fallen nach seiner vorläufigen Einschätzung nicht unter das Ladenöffnungsgesetz, auch dann nicht, wenn mehrere in einem Raum stehen. Für eine Unterscheidung zwischen dem einzelnen Automaten und dem großen Automatenkiosk gebe es keine gesetzliche Grundlage; ob man neue Formen regelt, sei Sache des Landtags. Der Beschluss ist unanfechtbar, aber eine Eilentscheidung, kein Urteil in der Hauptsache.
Hessen: erst zu, dann per Gesetz auf
In Hessen lief es umgekehrt. Im Dezember 2023 entschied der Verwaltungsgerichtshof in Kassel, dass die Stadt Fulda die personallosen tegut-teo-Läden sonntags schließen durfte; das Ladenöffnungsgesetz gelte auch ohne Personal. Ausgenommen blieben nur Läden in Bahnhöfen, weil dort Reisebedarf verkauft werden darf. Der Landtag reagierte im Juli 2024 mit den Stimmen aller Fraktionen: Vollautomatische Verkaufsstellen bis 120 Quadratmeter, die Waren des täglichen Bedarfs anbieten und ohne Verkaufspersonal auskommen, dürfen seither von 0 bis 24 Uhr öffnen, auch sonntags.

Bayern: offen, aber die Stadt redet mit
Bayern hat seit August 2025 ein neues Ladenschlussgesetz, und darin steht zum ersten Mal eine eigene Regel für personallose Kleinstsupermärkte: Bis 150 Quadratmeter Verkaufsfläche dürfen sie grundsätzlich auch nachts und an Sonn- und Feiertagen öffnen, wenn Auswahl, Übergabe und Bezahlen automatisch oder in Selbstbedienung laufen. Die Gemeinden dürfen die Sonntagsöffnung aber per Verordnung begrenzen, solange mindestens acht Stunden am Stück übrig bleiben.
Davon machen die Städte Gebrauch. Regensburg erlaubt Automatenläden sonn- und feiertags nur von 8 bis 16 Uhr; drei Betreiber, die länger offen hatten, scheiterten im Juli 2026 mit Eilanträgen am Verwaltungsgericht Regensburg. Nürnberg schließt die personallosen Mini-Supermärkte in der Altstadt sonn- und feiertags von 20 bis 6 Uhr; der Bayerische Verwaltungsgerichtshof lehnte im August 2026 den Eilantrag eines Betreibers ab. Beide Verfahren sind Eilverfahren. Wenn du also in Regensburg sonntags um fünf vor einem Automatenkiosk stehst, ist er nicht kaputt, sondern zu.
Baden-Württemberg: offen, außer an vier Tagen
Der Landtag in Stuttgart hat im Februar 2026 nachgezogen. Vollautomatisierte Verkaufsstellen bis 150 Quadratmeter mit Waren des täglichen Bedarfs dürfen sonn- und feiertags öffnen, ohne Personal: Sonntags darf niemand Ware einräumen oder Geräte warten, nur Backwaren dürfen aufgefüllt werden. Zu bleiben sie am 1. Weihnachtstag, an Karfreitag, Ostersonntag und Pfingstsonntag. Wie in Bayern kann die zuständige Behörde die Zeiten begrenzen, auf nicht weniger als acht Stunden. Kirchen und Gewerkschaften kritisieren das Gesetz als Angriff auf den Sonntagsschutz.
Und die anderen zwölf Länder? Für sie haben wir die Lage nicht einzeln geprüft. Wo es weder ein Gesetz noch eine Gerichtsentscheidung gibt, entscheidet im Zweifel die Stadt, und ein Automatenkiosk kann von heute auf morgen sonntags zu sein. Ein Blick auf die Tür oder die Webseite des Betreibers ist dort zuverlässiger als jede allgemeine Regel.
Was es im Automatenkiosk gibt, und was nie
Ein typischer Automatenkiosk ist ein kleiner Späti ohne Verkäufer: Snacks, Süßes, Getränke, oft Kaffee, manchmal Lebensmittel und Drogerieartikel. Bier und Wein dürfen drin sein, aber nur hinter einer Alterskontrolle, und Schnaps, Likör oder Mischgetränke wie Jack Cola dürfen es nie, auch nicht mit Ausweisprüfung. Warum, steht in „Weinautomat: ab wann du kaufen darfst"; einer der Fälle, an denen bayerische Gerichte das gerade durchgespielt haben, war ein 24-Stunden-Automatenkiosk in Bayerisch-Schwaben.
Und wenn ein Automat das Geld nimmt und nichts herausgibt? Personal ist keins da, aber der Betreiber muss mit Namen und Anschrift am Gerät stehen. Wie du dann vorgehst, steht in „Automat hat kassiert, nichts kam raus".
Für Betreiber, kurz
- Erst das Land, dann die Stadt. In Hessen, Bayern und Baden-Württemberg gibt es eine Flächengrenze (120 beziehungsweise 150 Quadratmeter), in Bayern und Baden-Württemberg kann die Stadt die Sonntagszeiten zusätzlich begrenzen. Was vor Ort gilt, sagt das Ordnungsamt.
- Sonntags kein Personal. Die Ausnahmen setzen voraus, dass niemand im Laden arbeitet. Wer sonntags auffüllt, verliert sie, in Baden-Württemberg mit Ausnahme von Backwaren.
- Alkohol nur nach Regel. Bier und Wein nur mit technischer Alterskontrolle, Spirituosen und Mischgetränke gar nicht.
- Eintragen. Kein Automatenkiosk in unserem Verzeichnis hat bisher ein Foto. Wer seinen Laden einträgt und die Sonntagszeiten in die Beschreibung schreibt, beantwortet die Frage aus diesem Artikel, bevor jemand vor der verschlossenen Tür steht.
Automatenkiosk in deiner Nähe
Auf unserer Karte stehen aktuell 23 Automatenkioske in 10 Orten. Die meisten davon in Bayern und Nordrhein-Westfalen, in Nürnberg, Regensburg und Paderborn gleich mehrere. Ob einer bei dir in der Nähe ist, zeigt die Karte; ob er sonntags offen hat, entscheidet dein Bundesland, siehe oben.
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